
Im Kampf um die reichen Fischgründe vor Somalia ist die nächste Stufe der Eskalation erreicht. Nach anhaltendem Druck der spanischen Eigner von 23 von industriellen Thun-Fangschiffen werden die vor Ostafrika operierenden Boote von der spanischen Regierung mit Maschinenkanonen bewaffnet. Zudem trainiert das Verteidigungsministerium private „Sicherheitskräfte“ für den Kampf gegen die Piraten. Die Kosten dafür tragen die Regierung und die Vereinigungen der Gefrierschiff-Reeder (ANABAC) und Bootsausrüster (OPAGAC) gemeinsam.
Die spanische Verteidigungsministerin, Carmen Chacón, erklärte sich zu diesem Schritt bereit, nachdem es Mitte November innerhalb einer Woche zu zehn Piratenattacken auf Thunfisch-Boote gekommen war. Die Sicherheitskräfte, zumeist ehemalige Soldaten, werden bereits seit 1. Dezember im technologischen Institut La Marañosa bei Madrid in Taktik und im Umgang mit den Maschinenkanonen und weiteren Waffen trainiert, um den ebenfalls immer besser ausgerüsteten Angriffen der Somalis begegnen zu können.
Die Schiffseigner zeigten sich zufrieden. Die Regierung der Seychellen, wo die Tuna-Boote stationiert sind, weniger: Sie will keine schwer bewaffneten Söldner in ihren Gewässern dulden. Ministerin Chacón sicherte den Bootseigner aber schon zu, dieses Problem auf diplomatischem Weg zu lösen.
Da der Verbleib gefangener Piraten ungelöst ist, nachdem Kenia und die Seychellen Gerichtsverfahren eingestellt haben, befürchten Kritiker nun, dass die Kanoniere an Bord der Thunfisch-Boote kurzen Prozess mit Piraten machen werden.
Für die in Kanada und Kenia lebenden Hintermänner der Piraten ist das Multi-Millionen-Dollar-Geschäft allerdings so lukrativ, dass sie ihre Kämpfer Experten zufolge nun mit ebenbürtigen Waffen wie etwa leichten Raketen ausrüsten könnten. Gangs, denen für die Eskalation der Gewalt die Mittel fehlen, könnten ihren Blick auf eine sehr viel leichtere Beute richten: Dutzende Big-Game-Yachten schippern vor Kenias Küste und auf jedem Boot sind zumeist mehrere weiße Touristen. Um sie zu kidnappen, genügt eine Salve aus einem AK 47.


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